Spieltipps - Spiel mit Effet

Zweifelsohne ist es die Anwendung von Effets, die im Billard seit jeher die begehrten Blicke von uneingeweihten Zuschauern auf sich zu ziehen vermochte. Deshalb ist es der Wunsch eines jeden Spielers, diesen schwierigsten Teil des Billards beherrschen zu lernen.
Es ist tatsächlich so: beherrscht man erst einmal die Effet- und Schraubstöße, so sieht das Spiel sehr einfach aus. Dies hat seinen Grund darin, daß man mit Hilfe von Effetstößen den Spielball nach dem Zusammenstoß mit dem Objektball so beeinflussen kann, daß er vor dem nächsten Stoß wie von selbst die richtige Position einnimmt. Dadurch vermeidet man die schwierigen Positionen, die früher oder später zu einem verfehlten Ball führen. Es ist deshalb keineswegs ungewöhnlich, daß man mir schon in der ersten Stunde die Frage stellt, wie man das zustande bringe, was im Fernsehen oder bei der Vorführung eines hervorragenden Spielers gesehen wurde.
Jetzt ist man gekommen, um das zu lernen, was einen so beeindruckt hat. Leider ist das Spiel mit Effet sehr viel schwieriger als man glaubt, und man sollte seine Ausbildung zum Billardspieler nicht ausgerechnet damit beginnen. Darum erscheint es mir wichtig, dies gleich zu Beginn dieses Kapitels klarzustellen.
Was hier beschrieben wird, ist als Kurs für Fortgeschrittene, für Anfänger jedoch nur als Information zu betrachten. Sie werden dann besser verstehen, was auf dem Spieltisch geschieht, wenn ein sehr guter Spieler sein Können zeigt. Hier finden Sie vielleicht eine Antwort auf die Frage, warum es Ihnen trotz sorgfältiger Vorbereitungen auf einen Stoß nicht gelingt, den beabsichtigten Ball richtig zu spielen. Es kann sein, daß Sie dem Spielball unfreiwillig ein wenig Effet geben, indem Sie nicht dessen Mitte getroffen haben und dadurch die Bahn des Balles beeinflussen. Bisher haben Sie sich darauf konzentriert, immer die Mitte des Spielballs zu treffen. Sehen wir nun einmal, was geschieht, wenn Sie den Spielball an einer anderen Stelle treffen.

Anspielpunkte (siehe Abbildung 31)

1.Nachläufer
2. Stopball
3. Rückzieher
4. Seitenstoß links mit Nachläufer
5. Seitenstoß rechts mit Nachläufer
6. Seitenstoß links
7. Seitenstoß rechts
8. Seitenstoß links mit Rückzieher
9. Seitenstoß rechts mit Rückzieher

Abbildung 31:
Anspielpunkte
Anspielpunkte

Bis jetzt haben Sie immer versucht, den Spielball irgendwo zwischen den Lagen 1 und 3 dieser Beschreibung zu treffen. Diese Lagen entsprechen auch dem optimalen Anspiel­punkt für einen guten Spieler. Innerhalb dieses Bereiches (1 - 3) können Sie auch mit großer Sicherheit die Reaktion des Spielballs nach dem Zusammenstoß mit einem Objekt­ball kontrollieren. Wenn Sie die Bälle aus einer der Lagen 1 bis 3 in richtiger Reihenfolge spielen, ist es mög­lich, daß Sie die anderen Anspielpunkte überhaupt nicht oder nur in Ausnahmefällen ver­wenden müssen. Es kommt am häufigsten vor, daß Sie den Spielball irgendwo zwischen Punkt 1 und Punkt 2 treffen. Dadurch erreichen Sie, daß der Spielball auch seinen Weg in der Stoßrichtung fortsetzt. Das ist der sogenannte Nachläufer. Diese Richtung wird aller­dings dadurch beeinflußt, wie stark oder wie schwach Sie den Spielball treffen. (Im Kapi­tel Positionsspiel gehe ich näher darauf ein.) Der Nachläufer ist der Grund, weshalb der Spielball häufig zusammen mit dem Objektball ins Loch geht. Um dies zu verhindern, müssen Sie den Spielball ein bißchen tiefer - bei Punkt 2 oder 3 - treffen oder aber ver­suchen, den Objektball nicht genau auf die Mitte des Lochs zu spielen.
(siehe Abbildung 32)
Abbildung 32:
Spiel mit Effet

Beschließen Sie in dieser Situation, den Spielball lieber bei Punkt 2 oder dicht darunter zu treffen, so bewirken Sie einen Stopball. Dies bedeutet, daß der Spielball beim Zusam­mentreffen mit dem Objektball stehen bleibt.
Diese Stoßart ist relativ einfach zu lernen. Sie sollten am Anfang einen kleinen Abstand zwischen Spielball und Objektball haben, und die Lage sollte so sein daß Sie den Objekt­ball mit einem geraden Stoß ins Loch versenken können. In dem Maß wie Sie lernen die­sen Stoß zu beherrschen, können Sie den Abstand zwischen Spiel- und Objektball nach und nach vergrößern und so den Schwierigkeitsgrad des Stoßes erhöhen Vergessen Sie aber nicht, daß Sie einen Stopball zustandebringen wollen. Dies ist wichtig weil Sie spä­ter m Situationen kommen werden, wo ein solcher Stopball nicht mehr ausreicht sondern wo viel mehr der Spielball nach dem Zusammenstoß mit dem Objektball ein klein weniq vor- bzw. zurückrollen soll (Abbildungen 33 - 35). Das bringt man nur mit einem richtig durchgeführten Stoß fertig. Dieser Tatbestand wird noch verdeutlicht wenn wir zum Anspielpunkt 3, dem Rückzieher, kommen. Diesen Punkt müssen Sie treffen wenn Sie wollen, daß der Spielball nach dem Zusammenstoß mit dem Objektball in Ihre Richtung zurückrollt.
Dieser Stoß ist nicht einfach und völlig unmöglich, wenn man nicht gelernt hat den Stoß durchzuziehen. Um ein solches Effet zu erzielen, muß der Spielball in Gegenrichtung zum Stoß rotieren, und zwar auf dem ganzen Weg bis zum Zusammenstoß mit dem Objektball Hort diese Drehung auf, bevor der Zusammenstoß mit dem Objektball stattfindet so kommt der Spielball nicht zurück, sondern bleibt stehen oder rollt in der Spielrichtung weiter. Je mehr Sie also den Stoß durchziehen können, umso stärker wird auch die Gegen­rotation; dies wiederum macht es möglich, daß der Spielball schneller und länger in der Spielrichtung zurückkommt oder - je nachdem, wie kräftig Sie den Objektball treffen -mehr oder weniger abgewinkelt im Verhältnis zur Spielrichtung. Auch hier empfiehlt es sich, daß Sie am Anfang einfache und gerade Bälle mit kurzem Abstand zwischen Spiel-und Objektball trainieren. Nach und nach können Sie dann den Abstand vergrößern und m Lagen, m denen Sie den Objektball nur fein treffen dürfen, den Rückzieher üben Den Rückzieher verwendet man häufig, wenn man einen Objektball in ein nahes Loch spielen will, ohne den Spielball gleichzeitig zu versenken. Auch im Positionsspiel kommt der Rückzieher oft zur Anwendung.

Abbildung 33:
Spiel mit Effet


Abbildung 34:
Rückzieher
Rückzieher


Abbildung 35:
Stopball
Stopball

Die Anspielpunkte 6 und 7 sind genauso schwierig wie faszinierend. Mit ihnen können Sie nämlich erreichen, daß der Spielball eine Bahn bekommt, die alles andere als gerade ist. Kombiniert man außerdem einen linken oder rechten Seitenstoß mit einem Nachläufer oder einem Rückzieher (Punkte 4, 5, 8 und 9), wird es möglich, den Spielball in einem Bogen um ein Hindernis zu spielen (siehe Abbildung 36).

Abbildung 36:
Spiel mit Effet

Treffen Sie den Spielball bei Punkt 6, hat er anfangs die Tendenz, nach rechts zu rollen. Und obwohl er im Uhrzeigersinn rotiert, strebt er die ganze Zeit an, in der Spielrichtung nach links zurückzurollen. Wie schnell der Spielball nach links zurückkommt, hängt davon ab, wie hoch oder tief Sie ihn getroffen haben und wieviel Kraft Sie für den Stoß aufge­wendet haben. Ein kräftiger Stoß bewirkt eine geradere Bahn und umgekehrt. Die jetzt etwas gekrümmte Bahn des Balles hat auch Folgen für die Art und Weise, wie Sie zielen müssen.
Nachdem ja der Spielball durch den linken Seitenstoß anfangs nach rechts strebt, sollten Sie dies immer dadurch auszugleichen versuchen, daß Sie ein klein wenig links vom eigentli­chen Anspielpunkt zielen und natürlich auch umgekehrt, wenn Sie einen rechten Seitenstoß spielen. Es wird also beträchtlich schwieriger als früher, den Objektball richtig zu treffen. Ein guter Spieler vermeidet Situationen, in denen das Spiel einen Seitenstoß erfordert. Wenn Sie trotzdem Effetstöße üben wollen, sollten Sie am Anfang nur mit den Punkten 6 und 7 arbei­ten. Achten Sie darauf, daß der Abstand zwischen Spiel- und Objektball kurz ist, denn dies erleichtert den Zielvorgang. Wenn Sie sicherer geworden sind, können Sie dazu übergehen, die Punkte 4 und 5 auszuprobieren. Die Abbildung zeigt, daß Sie einen Seitenstoß links mit Nachläufer anwenden können, sodaß der Spielball nach seinem Zusammenstoß mit dem Objektball noch gegen die Bande prallt und nach links rollt (siehe Abbildung 37).

Abbildung 37:
Spiel mit Effet

Das können Sie sich auch beim Positionsspiel zunutze machen. Klappt dann auch die Kombination von Nachläufer und Seitenstoß, können Sie sich daran wagen, die Punkte 8 und 9 (Seitenstoß in Verbindung mit Rückzieher) auszuprobieren. Der Spielball wird nun nach dem Zusammenstoß mit dem Objektball -je nach erhaltenem Effet und entsprechend der Berührung mit der Bande - in der entgegengesetzten Richtung wegrollen (siehe Abbil­dung 38). Mit einem Effet rechts geht der Objektball links von der Bande weg und umge­kehrt. Dies ist nicht schwer zu verstehen, wenn man an die Rotation des Spielballes und an die Reibung des Balles an der Bande denkt.

Abbildung 38:
Spiel mit Effet

Es gibt noch andere Möglichkeiten, sehr extreme Wirkungen zu erzielen. Ein Beispiel ist der sogenannte Masse (siehe Abbildung 39), bei dem der Spielball von oben angespielt wird. Er ist aus folgenden 2 Gründen sehr schwierig zu erlernen.
1. Der Masse ist technisch höchst anspruchsvoll, da das Verhältnis zwischen der aufzu­wendenden Kraft und dem gewählten Anspielpunkt schwer abzuschätzen ist.
2. Er wird in Situationen angewandt, wo zwischen Spielball und Objektball ein Hindernis liegt. Der Spielball kann also nicht in gerader Linie gespielt werden, sondern muß eine Kurve um das Hindernis machen, wodurch der Objektball nie "angezielt" werden kann.

Abbildung 39:
Spiel mit Effet

Damit Sie noch leichter verstehen, wie schwierig dieser Stoß ist, möchte ich Ihnen mit­teilen, daß ich einmal in einem Buch folgendes gelesen habe: "Der Queue muß, um einen perfekten Masse ausführen zu können, in einem Winkel von 67 2/3 Grad zum Spielball gehalten werden." Bis jetzt habe ich zwar noch keinen Billard­spieler gesehen, der, um einen Stoß durchführen zu können, einen Winkelmesser benützt. Auch glaube ich nicht, daß es jemals so weit kommen wird. Trotzdem hoffe ich, daß Sie verstehen, daß es jahrelanger Übung bedarf, einen solchen Stoß zu beherrschen. Sind Sie in eine solche Situation hineingeraten, in der Sie einen Masse benützen müßten, können wir davon ausgehen, daß Sie den vorhergehenden Stoß schlecht ausgeführt haben oder aber Ihr Gegner sehr gut.
Sind Sie selbst daran schuld, sollten Sie sich lieber über den gemachten Fehler im klaren sein als zu versuchen, die entstandene Situation mit einem Masse zu lösen. Wenn Sie bis hierher alles mitgemacht und die Effetstöße ausprobiert haben, sehen Sie sicher, wo die Schwierigkeiten liegen. Verlieren Sie jedoch auf keinen Fall den Mut und glauben Sie nicht, Sie hätten kein Talent. Denken Sie daran: Billardspielen besteht nur zu 10% aus Talent, aber zu 90% aus Übung. Ich kann Ihnen versichern, daß alle Anfänger genau die gleichen Schwierigkeiten hatten wie Sie. Ich betone noch einmal, daß es für Ihre Fortschritte als Billardspieler von Vorteil ist, in den ersten Monaten die Effets nicht zu ver­wenden. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf Ihre geraden Stöße und darauf, richtig zu stehen und genau zu zielen. Diese Grundlage muß "sitzen", damit Sie später die kompli­zierten Stöße ausführen können.

Übung: STOPBALL (siehe Abbildung 40)
Setzen Sie den Spielball auf dem Fußpunkt auf und einen Objektball ca. 25 cm davon ent­fernt in einer Geraden in Richtung eines Eckloches der Kopfbande. Geben Sie acht, daß alle Vorbereitungen auf den Stoß richtig durchgeführt werden. Im Zusammenhang mit Schwingen und Zielen ist es nun wichtig, daß Sie sich auf den Zielpunkt am Spielball, der beim Stopball im Zentrum liegt, konzentrieren. Das kontrollieren Sie natürlich auch ein letztes Mal in der Phase der Pause vor dem Stoß. Sie sollten versuchen, mit dem Queue ca. 15 cm durch den Spielball "durchzustoßen". Wenn Sie die Sicherheit für diesen Stoß besitzen, können Sie die Übung dadurch erschweren, daß Sie den Abstand zwischen Spiel- und Objektball vergrößern. Achten Sie darauf, je größer der Abstand ist, desto tie­fer müssen Sie den Spielball treffen und desto mehr müssen Sie "durchstoßen", voraus­gesetzt, Sie spielen mit dem gleichen Tempo.

Abbildung 40:
Übung Stopball
Übung Stopball


Übung: RÜCKLÄUFER
Mit derselben Ausgangsposition wie bei der vorhergehenden Übung können Sie auch für das Trainieren des Rückziehers beginnen. Hier ist es fast unmöglich, daß der Stoß gelingt, ohne daß man richtig "durchstößt". Es gibt zwei verschiedene Arten des Rückziehers. Erstens den "Weichen", bei dem die Stoßgeschwindigkeit relativ gering ist, und einen zweiten, der dagegen mit sehr hoher Geschwindigkeit ausgeführt werden muß. Im zweiten Fall reagiert der Spielball viel schneller, worauf besonders geachtet werden soll. Genau wie in der vorhergegangenen Übung können Sie den Schwierigkeitsgrad dadurch erhöhen, daß Sie den Abstand zwischen Spiel- und Objektball vergrößern. Versuchen Sie den Rückzieher auch in Situationen zu meistern, in denen Sie nicht eine gerade Linie haben, um besser herausfinden zu können, wie der Spielball reagiert.

Abbildung 41:
Übung Rückläufer
Übung Rückläufer


Übung: RÜCKZIEHER MIT EFFET
Setzen Sie den Spielball und die beiden Objektbälle wie auf Abbildung 42 auf. Versuchen Sie die "Eins" mit Linkseffet und Rückzieher so ins Mittelloch zu versenken, daß Sie Position auf die "Zwei" erhalten. Vermutlich können Sie nach einer Weile ähnliche Situationen ausfindig machen, bei denen Sie Winkel, Treffpunkt und Resultat variieren können.

Abbildung 42:
Übung Rückzieher mit Effet
Übung Rückzieher mit Effet


Übung: EFFET
Legen Sie den Spielball in der Nähe eines Eckloches auf, einen Objektball auf den Mittel­punkt und einen weiteren Objektball ins diagonale Eckloch. Wenn Sie die Bälle richtig auf­gestellt haben, dürften Sie nicht in der Lage sein, die "Zwei" direkt zu spielen. Versuchen Sie nun mit Links- bzw. Rechtseffet die "Zwei" zu versenken, ohne daß Sie die "Eins" mit dem Spielball berühren. Wenn Sie über eine so lange Distanz spielen, reicht es aus, wenn Sie den Spielball an der Stelle des Punktes 6 der Figur entsprechend treffen, wobei Sie jedoch mit dem Queue etwas von oben nach unten spielen sollten. Auch hier können Sie verschiedene Varianten erstellen, indem Sie den Abstand zwischen den Bällen verändern. Möchten Sie einen größeren Bogen spielen, halten Sie sich an die Punkte 8 bzw. 9 der Figur und spielen Sie das Effet, das Sie wollen.

Abbildung 43:
Effet
Effet