Da Sie so vieles beachten müssen, bevor Sie endlich an das eigentliche Spielen kommen, ist es nur natürlich, daß die
ersten Stöße ein bißchen verkrampft sind und die Bälle vielleicht nicht dorthin rollen, wohin Sie sie
eigentlich haben wollten. Das kommt besonders bei solchen Spielern vor, die bereits vor dem Erlernen der eigentlichen Grundregeln
Billard gespielt haben.
Inzwischen haben diese sich schon daran gewöhnt, auf ihre eigene Art zu spielen, bis sie
dann plötzlich in eine Situation geraten, die sie nicht allein meistern können und fremde Hilfe benötigen.
Sie fangen deshalb unter der Aufsicht eines Lehrers noch einmal ganz von vorne an und lernen Haltung und Spieltechnik von Grund auf neu.
Kommen sie dann zu den ersten Stößen, merken sie, daß solche, die ihnen früher meistens geglückt sind, nicht
mehr gelingen.
Oft wollen Sie dann keinen Lehrer mehr und kehren zu ihrer alten gewohnten Spielweise zurück. Leider bedeutet dies keine verbesserte
Spieltechnik, sondern vielmehr, daß der entsprechende Spieler darauf verzichtet hat, Neues zu lernen. Auch wenn Sie die oben
erwähnten Grundregeln beherrschen, bedeutet dies noch lange nicht, daß die Bälle beim ersten Stoß genau das machen,
was Sie sich vorstellen. Oft muß man in einer Spielsituation an so vieles denken, daß man sich nicht die Zeit nimmt,
ordentlich zu zielen und einen korrekten Stoß auszuführen. Deshalb sollten Sie ihr Selbstvertrauen und das Vertrauen in Ihren
Lehrer nicht verlieren, wenn anfangs nicht alles so läuft, wie Sie es sich vorgestellt hatten. Den korrekten Stoß kann man in
die folgenden Phasen unterteilen:
- Kontrolle der Körperhaltung - Kontrolle der Handstellung - Schwingen - Pause - Stoß
Die ersten beiden Phasen haben wir bereits eingehend behandelt, und wir sind bis zum Augenblick des Zielens gekommen. Hier hören
die Vergleiche mit einem Gewehrschützen auf. Wenn Sie mit zielen anfangen, müssen Sie das Queue vor und zurück schwingen,
um das richtige Gefühl für den Stoß zu bekommen (siehe Abbildung 17).
Abbildung 17:
Vor- und Zurückschwingen
Wenn Sie dies unterlassen, kommen die an sich schon ungewöhnlichen Bewegungen und die plötzliche Explosion im Augenblick des
Stoßes als eine so große Überraschung, daß das Ergebnis meistens zu wünschen übrig läßt.
Versuchen Sie, beim Schwingen ungefähr das Tempo einzuhalten, mit welchem Sie dann auch den Stoß auszuführen gedenken.
Auch Anfänger sind jetzt immerhin schon imstande, ohne allzu große Mühe die verschiedenen Schwingungen in seitlicher
und senkrechter Richtung zu erproben, von denen bereits die Rede war. Bevor Sie bereit sind zu stoßen, sollten Sie das
Queue drei- bis viermal vor- und zurückschwingen. Bei der letzten Schwingung nach vorn müssen Sie vor dem Spielball eine
kurze Pause einlegen. Dies tut man, um ein letztes Mal vor dem Stoß zu kontrollieren, ob die Richtung auch wirklich stimmt und
daß man den Ball an der richtigen Stelle trifft. Wenn der Stoß erfolgt, darf das nicht bedeuten, daß der fragliche
Ball getroffen wird und der Objektball rollt. Sie müssen dem Stoß aufmerksam bis zum Ende folgen, damit er so korrekt wie
möglich wird. Wer sich an einen Golf- oder Tennisspieler erinnert, hat sicher bemerkt, daß sich dieser nicht damit begnügt,
den Ball zu treffen, sondern daß er die Bewegung "durchzieht". Der Kraftaufwand für das abrupte Abstoppen der Bewegung
würde die Treffsicherheit negativ beeinflussen. Genauso verhält es sich für einen Billardspieler. Um sicher zu sein,
daß ein Stoß optimal sein wird, sollten Sie dem Ball noch etwa 15 bis 20 cm folgen (siehe Abbildung 18), natürlich nur
dann, wenn die Lage der übrigen Bälle dies zuläßt. Denken Sie auch daran, daß die Geschwindigkeit beim
Stoßen keineswegs entscheidend dafür ist, ob ein Ball richtig rollt oder nicht. Die meisten Anfänger neigen zur Ansicht,
je stärker man spiele, umso geringer sei die Möglichkeit, daß der Ball von der vorhergesehenen Bahn abweiche. Leider ist
es gerade umgekehrt. Je stärker man zustößt, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß man im
Augenblick des Stoßens irgendeinen Fehler macht; und auch nur der kleinste Fehler bedeutet unweigerlich einen verfehlten Ball.
Abbildung 18:
ÜBUNG
Vorbereitung und Durchführung des Stoßes(siehe Abbildung 19)
Bauen Sie mit allen 16 Bällen eine Linie, in der Höhe der mittleren Diamanten der Fußhälfte, auf. Danach sollen
alle Bälle nach der Reihe in ein und dasselbe Eckloch der Kopfbande versenkt werden. Sinn der Übung ist es, den
Stoß - Körperstellung, Queuehaltung, Schwingen - Zielen, Pause, Durchstoß - richtig auszuführen. Wichtig ist auch,
daß Sie die gebückte Körperhaltung beibehalten, während der Ball in Bewegung ist. Danach sollten Sie Ihren
Stoß analysieren und sich auf den nächsten Stoß vorbereiten.
Abbildung 19:
Übung Durchführung des Stosses
ÜBUNG
Durchstoßen(siehe Abbildung 20)
Mit Hilfe der Kreide machen Sie zwei gerade, parallele Linien etwa 15 cm voneinander entfernt. Danach setzen Sie einen Ball an der
ersten Linie auf und bereiten sich auf den Stoß vor. Bei der Durchführung des Stosses sollten Sie darauf achten, wie weit Sie
den Stoß "durchgestoßen" haben. Haben Sie es richtig gemacht, sollte die Queuespitze nahe der zweiten Linie ruhen.